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HGV Praxis

Sich auch mal die Hände schmutzig machen....

Walter Jahn, Direktor Schick Hotels
Walter Jahn, Direktor Schick Hotels

hogastjob.com: Herr Jahn, welche Ausbildung haben Sie absolviert, und was waren Ihre wichtigsten Stationen auf dem Weg ins Management?

Walter Jahn: Ich habe nach dem Realgymnasium das Fremdenverkehrskolleg im Modul besucht. Anders als man es uns in der Schule erklärt hat, bin ich nicht gleich in die Führungsebene eingestiegen. Ich habe im Bankett im Hilton begonnen, war dann Chef de Restaurant. Meinen Einstieg ins Management habe ich übers Stewarding gemacht. Das war eine harte Schule, denn da ist man für die Hinterseite des Hauses zuständig. Also den ganzen Bereich Reinigung, Müllentsorgung, Equipment usw.

hogastjob.com: Hilft Ihnen diese Erfahrung in Ihrer heutigen Tätigkeit?

Walter Jahn: Natürlich. Ich konnte erste Führungserfahrung sammeln. Wenn man in diesem Bereich selbst gearbeitet hat, kennt man die Probleme, die auftauchen, und ich weiß, wie schwer die Arbeit dort ist und kann daher auch einschätzen, was ich meinen MitarbeiterInnen zumuten kann oder nicht.

hogastjob.com: Was waren weitere Stationen Ihrer Karriere?

Walter Jahn: Ich bin als Chief Stewart ins Ausland gegangen, habe als F&B Manager gearbeitet und später als Geschäftsführer.

hogastjob.com: Das klingt nach einem breiten Spektrum an Erfahrungen. Legen Sie darauf auch bei BewerberInnen wert?

Walter Jahn: Natürlich ist eine gute Ausbildung wichtig. Aber die praktische Erfahrung ist das Um und Auf. Vor allem im Gästekontakt, den bei uns im Haus alle haben, zählt die Erfahrung.

hogastjob.com: Worauf achten Sie bei BewerberInnen besonders?

Walter Jahn: Es muss ein ausgewogener Mix aus Ausbildungen und Erfahrungen sein. Ein gutes Zeugnis alleine ist für mich noch kein Entscheidungskriterium. Ich habe MitarbeiterInnen erlebt, die tolle Zeugnisse, aber keinen guten Umgang mit dem Gast hatten. Und umgekehrt. Leute mit mittelmässigem Zeugnis, die Freude an der Arbeit mit den Gästen hatten. Und darauf kommt es schlußendlich an. Eine natürliche Freundlichkeit am Gast kann man nicht beibringen. Und dann ist noch wichtig, ob jemand eine Dienstleistungs-Einstellung hat. Ob er oder sie kein Problem damit hat, jemanden zu bedienen. Leider ist es extrem schwierig solche Leute zu finden, die Respekt vor anderen haben.

hogastjob.com: Welche Eigenschaften braucht es, um im Bereich Management erfolgreich zu sein?

Walter Jahn: Die Bereitschaft sich auch die Hände schmutzig zu machen ist heute notwendig. Ich muss auch persönlich mit anpacken und nicht nur Theroetiker sein. Wenn ich selbst mitarbeite, lerne ich die Aufgaben meiner Mitarbeiter kennen und kann mehr Verständnis für deren Probleme mitbringen, und meine Führung entsprechend anpassen. Außerdem erhöht es meine Akzeptanz als Führungskraft, wenn meine Leute sehen, der packt selbst mit an.

hogastjob.com: Welche Eigenschaften braucht es sonst noch in diesem Bereich?

Walter Jahn: Lernwille und eine positive Einstellung dürfen natürlich nicht fehlen. Ich muss mir z.B. anschauen was für eine Veranstaltung zu tun ist, und mir überlegen, wie der Ablauf reibungsloser funktionieren kann. Dazu kommt ein gewisses Organisationstalent und die Bereitschaft zur Mehrleistung - die Arbeit um 17 Uhr fallen zu lassen, geht in diesem Bereich nicht. Es braucht auch Kommunikationsfähigkeit - ich muss mich mit Menschen unterhalten können. Außerdem braucht es Fingerspitzen-Gefühl für Zwischenmenschliches - ich kann nicht jeden Mitarbeiter gleich führen. Zu guter letzt braucht es auch noch gutes Benehmen. Ich halte nichts von der Unart Mitarbeiter zu beschimpfen oder laut zu werden. Ich muss meinem Team ein gutes Vorbild sein. Das beginnt mit so Kleinigkeiten wie, dass ich meine Mitarbeiter grüße, wenn ich durchs Haus gehe.

hogastjob.com: Wo sehen Sie den grössten Unterschied zwischen einer Management-Position in einem Hotel und in einem anderen Unternehmen?

Walter Jahn: In jeder Branche hat das Management drei wichtige Aufgaben: Das Unternehmen wirtschaftlich zu führen, die Kunden zufrieden zu stellen und die Mitarbeiter zu motivieren und zu führen. Die Hotellerie ist als Dienstleistungsbranche sehr Mitarbeiter-intensiv. D.h. ich muss das Betriebsklima gut halten, damit die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben. Denn das merkt der Gast sofort. Ich muss also die Mitarbeiter so schulen und motivieren, dass sie auch im Stresssituationen dem Gast gegenüber freundlich sind und das Image des Unternehmens transportieren. Bei uns in den Schick Hotels ist es zum Beispiel der Wiener Schmäh mit dem wir beim Gast punkten.

hogastjob.com: Das klingt danach als wäre ein Großteil Ihrer Arbeitszeit den Mitarbeitern gewidmet?

Walter Jahn: Ja, das beginnt beim Recruiting, über die Einschulung, den Mitarbeiterbesprechungen bis hin zu den Feedbackgesprächen. Wir achten schon bei der Einstellung der Mitarbeiter darauf, ob sie das Image unseres Unternehmens transportieren können. Und dann natürlich auch, ob die Teams gut zusammenarbeiten können. In den seltensten Fällen funktioniert das auf Anhieb. Da muss man immer präsent sein, schauen wie man ein gutes Miteinander unter den Teams schaffen kann.

hogastjob.com: Herr Jahn, vielen Dank für das Gespräch.