Martina Mesch, Hausdame im Rosenhof, erzählt im Interview über die Voraussetzungen und Herausforderungen im oft mindergeschätzten Beruf der Hausdame.
hogastjob.com: Wie wird man Hausdame?
Martina Mesch: Ich bin gelernte Hauswirtschafterin im städtischen Bereich. Ich bin eigentlich eher durch Zufall in die Gastronomie gekommen. Nach der Ausbildung habe ich als Haus- und Zimmerhilfe in einem Gasthof angefangen. Und am Zimmer hat es mir gut gefallen. Dann bin ich in ein Hotel gewechselt und dort dann 'reingestossen' worden. So konnte ich viel Erfahrung sammeln - mittlerweile bin ich seit 20 Jahren im Bereich Housekeeping tätig. Es braucht einfach Herz und Hirn und die nötige Liebe mit der man an die Sache herangeht.
hogastjob.com: Was braucht es auf der persönlichen Ebene für Qualifikationen?
Martina Mesch: Verantwortungsbewusstsein ist sehr wichtig. Wenn am Zimmer Mist gebaut wird, ist das unverzeihlich. Der Gast rotiert, wenn auf seinem Zimmer etwas nicht passt oder schief gegangen ist. Wenn im Service was passiert, wird das vom Gast eher toleriert, wie wenn am Zimmer etwas nicht in Ordnung ist.
hogastjob.com: Was braucht es darüber hinaus noch für den Job?
Martina Mesch: Man muss improvisieren und organisieren können, flexibel sein und man braucht Feingefühl und vor allem Diskretion. Wir bewegen uns als Hausdamen im intimsten Bereich des Gastes - seinem Schlafzimmer und Bad. Darüber hinaus braucht es auch diplomatisches Geschick - gerade im Housekeeping Team arbeiten meist Frauen unterschiedlicher Nationalitäten. Da braucht es Diplomatie sonst verwandelt sich das Team in ein Haifischbecken.
hogastjob.com: Was sollte ein/e BewerberIn für diesen Bereich noch mitbringen?
Martina Mesch: Handwerkliches Geschick und auch einen Blick für die tausend Kleinigkeiten. Wenn ich zB. sehe, dass ein Gast ein Handtuch unter den Kopfpolster stopft, dann lege ich ihm einen zweiten Polster dazu. Dann hat der Gast einfach nicht nach einem zweiten Polster gefragt und sich selbst mit dem Handtuch geholfen. Solche Dinge zu sehen und selbstständig zu handeln - das ist in unserem Bereich gefragt. Dafür braucht es aber auch die Freude an dem Job und man muss belastbar sein.
hogastjob.com: Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Beruf?"
Martina Mesch: Wenn die Gäste die Kleinigkeiten, die man extra für sie macht, bemerken und sich dafür bedanken, es nicht als normal ansehen. Das Dekorieren der Zimmer und die Gestaltung der Betten hat in unserem Haus einen hohen Stellenwert. Wir machen sicher die schönsten Betten - lassen uns da jeden Tag etwas Neues einfallen. Wenn zB. ein Kind sein Kuscheltier am Bett liegen hat, dann wird das mit eingebaut in die Dekoration, sodass das Bett zu einer Art Theaterbühne wird. Und wenn sich dann Gäste extra bei uns bedanken kommen, einem die Hand schütteln - dann weiß ich, dass ich meinen Job gut gemacht habe. Schließlich zeige ich ja bei diesen Dekorationen etwas von mir her, mache mehr als von mir erwartet wird. Und wenn das vom Gast gesehen wird, dann ist das einfach schön.
hogastjob.com: Was ist für Sie die Schattenseite des Berufs?
Martina Mesch: Wenn die Arbeit, die man macht, nicht geschätzt oder sogar respektiert wird. Wenn zum Beispiel ein Kind ausruft, wenn es mich kommen sieht "Mama, da kommt die Putzfrau", dann kränkt mich das schon ein wenig. Denn wir sind nicht nur da um die Betten zu machen und das Bad zu putzen. Wir sorgen für die Wohlfühlatmosphäre - und da gehört mehr dazu als nur zu putzen.
hogastjob.com: Wie gehen Sie mit Reklamationen um?
Martina Mesch: Wenn wirklich einmal etwas passiert, den Schaden so schnell wir möglich ohne grosses Aufhebens beheben, und das möglichst diskret.
hogastjob.com: Welche Aufgaben gehören in den Bereich Housekeeping?"
Martina Mesch: Alles rund ums Zimmer organisieren. Also sich überlegen, wann kann ich den Staubsauger anwerfen? Dann dafür sorgen, dass die Zimmer nicht nur sauber sind und gut aussehen, sondern auch angenehm duften. Wir arbeiten da mit ätherischen Ölen für den Wohlfühleffekt. Dann natürlich das Bad putzen und die Betten machen - und da werden wir unserem Hotelnamen natürlich gerecht indem wir den Rosengarten plündern und die Betten mit Rosen dekorieren. Es sollte so sein, dass der Gast nicht um etwas bitten muss, sondern, dass wir erkennen, was er braucht und es einfach bereit stellen. Dazu braucht es aber auch die Liebe zum Detail. Also, wenn ein Gast zB. einen besonderen Anlass in unserem Haus feiert, wie den Geburtstag, dann ihm auch die entsprechende Aufmerksamkeit widmen und gratulieren.
hogastjob.com: Welchen Karrieretipp können Sie für den Bereich Housekeeping abschließend geben?
Martina Mesch: Man muss sich im Klaren sein, was man mitbringen muss: Flexibilität, selbständiges arbeiten, Verantwortungsbewusstsein, Sauberkeit und den Blick für die tausend Kleinigkeiten. Und man darf sich nicht schrecken lassen von Chaoszimmern - da darf man nicht das Chaos sehen, in das man reingeht, sondern muss sich das Ergebnis vorstellen, wenn man wieder rausgeht. Man muss schon sagen, dass die Leute heute einfach anders leben - sie sind sich bewusster, dass jemand dafür bezahlt wird der aufräumt und entsprechend räumen sie selbst weniger weg.
hogastjob.com: Vielen Dank für das Gespräch!