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Interview mit dem vierfachen Gewinner des Patisserie Grand Prix

Austrian Chocolate Master Leopold Forsthofer, KR Brigitte Jank (Präsidentin WKW), KR Maximilan Platzer (Klubobmann der Wiener Kaffeehausbesitzer)
Austrian Chocolate Master Leopold Forsthofer, KR Brigitte Jank (Präsidentin WKW), KR Maximilan Platzer (Klubobmann der Wiener Kaffeehausbesitzer)

Am 8. Februar 2007 veranstaltete der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer in Zusammenarbeit mit dem Meisterpatissier Herwig Gasser den
5. Patisserie Grand Prix in der Wiener Hofburg. 13 Patissiers und Konditoren aus Österreich und Deutschland stellten sich dem Thema "New York meets Vienna" und präsentierten vor einer internationalen Fachjury ihre ganz speziellen Schokoladekunstwerke rund um die faszinierende Stadt der Städte. Der Gesamtsieg und damit der Titel "Austrian Chocolate Master" ging an Leopold Forsthofer, Kurkonditorei Oberlaa, mit seiner Kreation "Let´s dance!" Er hat nach 2003, 2004 und 2006 nun zum 4.Mal den Grand Prix der Schokoladenkunst gewonnen. hogastjob.com führte ein Interview mit dem glücklichen Gewinner.

hogastjob.com: Herr Forsthofer, sie haben nun zum 4.Mal gewonnen. Haben Ihre Kollegen überhaupt eine Chance Sie zu schlagen?

Herr Forsthofer: Mein Ziel dieses Jahr war zu gewinnen um mich für die WM in Paris zu qualifizieren.

hogastjob.com: Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Schaustücke?

Herr Forsthofer: Von überall her. In einem Schaufenster eine Grafik kann mich inspirieren. Ich gehe wach durchs Leben, nehme alles auf.

hogastjob.com: Was empfehlen sie jungen Kollegen, die sich im Bereich Patisserie etablieren wollen?

Herr Forsthofer: Neugierig zu bleiben. Der Beruf setzt einem fast keine Grenzen im kreativen Bereich. Sowohl geschmacklich als auch im Dekorbereich kann man viel machen. Und eine Vorraussetzung ist natürlich das man Süßes mag. Wenn Sie was sie machen nicht mögen, können sie nicht gut darin sein. Wenn man also nichts Süßes mag, sollte man lieber Automechaniker werden, aber nicht Konditor oder Patissier.

hogastjob.com: Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Job?

Herr Forsthofer: Kreativ sein zu können. Geschmacklich als auch im Dekorbereich Dinge auszuprobieren. Wobei ich allzu ausgefallene Kreationen nicht schätze – wenn z.b. Unmengen an Chili zur Schokolade beigefügt werden und damit der Geschmack zweifelhaft wird, dann ist das für mich Effekthascherei und das liegt mir nicht. Und dann ist da noch der Austausch mit den Kollegen. Da ich seit 15 Jahren bei Ausstellungen dabei bin und auch schon einige Male in Frankreich mit dabei war, konnte ich einige internationale Kontakte knüpfen. Und das schätze ich sehr. Den internationalen Austausch.

hogastjob.com: Was ist für Sie das Schwierigste in Ihrem Beruf?

Herr Forsthofer: Die Qualität auch bei großen Stückzahlen zu halten. Also auch bei steigenden Umsatzzahlen weiterhin gute Qualität zu produzieren.

hogastjob.com: Wie lange haben Sie an Ihren Schaustücken für den Grand Prix gearbeitet?

Herr Forsthofer: In den 3 Wochen vor dem Bewerb jede freie Minute. In das große Schaustück sind sicher über 100 Stunden Arbeit geflossen. Viele glauben, ich arbeite in einer großen Konditorei und tue vor dem Bewerb nichts anderes als für die Ausstellung zu arbeiten. Das war leider nicht so – ich war nicht freigestellt für den Bewerb. Ganz im Gegenteil, wir hatten 6 Krankenstände in der letzten Woche vor dem Bewerb und daher war eine Menge zu tun. Da ist die eine oder andere Nachtschicht drauf gegangen um das Schaustück fertig zu bekommen.

hogastjob.com: Das klingt als müsste man auch einen Hang zum Perfektionismus mitbringen für diesen Job.

Herr Forsthofer: Ja das auf alle Fälle. Die Jury ist sehr streng. Die Abstände zwischen den Kandidaten sind gering, da kommt es dann auf jedes Detail an.

hogastjob.com: Braucht es da nicht auch ein gutes Gefühl für Proportionen?

Herr Forsthofer: Ja natürlich das ist sehr wichtig. Da Malen meine Hobbys ist und ich wöchentlich in einen Malkurs gehe, habe ich das beim Malen gelernt. Wissen Sie beim Aktzeichnen lernt man auf Proportionen zu achten und diese darzustellen. Das hilft dann natürlich beim Dekorieren der Schaustücke oder Pralinen.

hogastjob.com: Was war die gewagteste Kreation, die sie sich jemals ausgedacht haben?

Herr Forsthofer: Wie gesagt, ich mag verrückte Kreationen nur wegen der Effekthascherei nicht. Aber ich habe für die WM in Frankreich vor einigen Jahren einmal eine Kürbiskern-Nougattorte gemacht. Normalerweise macht man Nougat ja aus Haselnüssen – ich hab es eben aus Kürbiskernen gemacht. Damit war ich damals schon einer der ersten, der mit so etwas experimentiert hat. Mittlerweile ist die Kürbiskern-Nougattorte in unserem Sortiment in der Kurkonditorei Oberlaa etabliert und bei den Kunden auch beliebt. Ansonsten hab ich auch schon einmal einen Hauptgang - also Fleisch mit Schokolade kombiniert - gegessen.

hogastjob.com: Haben Sie eine Lieblingsmehlspeise oder Süßspeise?

Herr Forsthofer: Da möchte ich mich gar nicht so festlegen – im Grunde alles was gut gemacht ist. Mir sagen Leute immer „dich kann man ja gar nicht auf was Süßes einladen“ - das stimmt aber nicht. Ich esse Süßes auf alle Fälle gerne – auch einfache Sachen wie einen Kaiserschmarrn – wenn er gut gemacht ist.

hogastjob.com: Herr Forsthofer vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die WM in Paris – wir halten Ihnen die Daumen!