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Bereit sein den Hampelmann zu machen

hogastjob.com sprach mit Andrea Ulbing, die für Qualitätsmanagement in der Kinderbetreuung in den Kinderhotels Europa & Family Select Hotels zuständig ist. Sie erzählt worauf es in der Kinderbetreuung ankommt, und dass der Job mehr verlangt, als nur mit Kindern zu spielen.

hogastjob.com: Frau Ulbing, was gehört zu den Aufgaben in der Kinderbetreuung in einem Hotel?

Andrea Ulbing: Zu allererst muss man sich bewusst machen, dass einem die Eltern das Wichtigste anvertrauen – ihr Kind. Das heißt, man muss ein hohes Verantwortungsbewusstsein mitbringen und der Aufsichtspflicht, die man hat, nachkommen. Dann ist es wichtig, dass man Spaß daran hat mit Kindern zusammen zu sein, und dass man über sich selbst lachen kann.

hogastjob.com: Damit sind wir ja auch schon mitten in den Fähigkeiten, die jemand braucht um in der Kinderbetreuung arbeiten zu können.

Andrea Ulbing: Es ist in diesem Bereich enorm wichtig, dass man extrovertiert ist, offen auf Leute zugehen kann, und man muss bereit sein den Hampelmann zu machen – und das auch, wenn die Eltern zusehen - und sich dabei nicht unwohl fühlen.

hogastjob.com: Braucht es, außer Spaß mit Kindern und Flexibilität noch andere Fähigkeiten um im Bereich Kinderbetreuung zu arbeiten?

Andrea Ulbing: Natürlich braucht es auch Kreativität und die Fähigkeit Kinder dazu zu bringen auf der Bühne zu stehen. Das heißt man darf sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern die Kinder. Es ist auch notwendig gut organisiert zu sein und trotzdem flexibel reagieren zu können. Man muss allem so gut wie möglich gerecht werden können – es soll kein Nein für die Kinder geben. Ich muss mich trauen auf die Eltern zuzugehen und in kürzester Zeit das Vertrauen aufzubauen, damit die Eltern sich auf Einen verlassen können. Und dann braucht es auch noch Ehrlichkeit: Man darf keine Angst haben zu den Eltern zu gehen und zu sagen, wenn etwas vorgefallen ist.

hogastjob.com: Wie sieht der Tagesablauf in der Kinderbetreuung aus?

Andrea Ulbing: Am Tag vorher muss schon das Programm aufliegen mit den Uhrzeiten, wann welche Aktivität geplant ist. Damit die Kinder und Eltern entscheiden können, ob und wann das Kind in die Betreuung kommt. Dann müssen natürlich die Materialien für die geplanten Spiele vorbereitet werden. Ich muss mir anschauen, welche Altersstreuung werde ich voraussichtlich haben und mir überlegen für welche Altersstufe haben wir welches Programm vorbereitet. In größeren Hotels wird es so gemacht, dass jede Altersgruppe eine Ansprechpartnerin hat. Wenn ich nur eine Betreuerin bin, muss ich dafür Sorgen, dass ich für jede Altersgruppe einen Schwerpunkt pro Tag habe. In der Früh wenn die Kinder gebracht werden, wird der Anmeldemodus durchlaufen. Da werden Fragen geklärt wie: In welche Altersgruppe gehört das Kind? Bleibt es zum Mittagessen in der Betreuung? Gibt es Allergien? Geht das Kind mittags schlafen?

Um 10 Uhr beginnt meist das Programm. Wir schauen, dass immer alle Bereiche abgedeckt sind – Musikalisches, Kreatives, Sportliches etc. damit sich jedes Kind angesprochen fühlt. Mittags geht es dann darum die Elternansprüche zu erfüllen – also beim Essen darauf zu achten, dass den Wünschen der Eltern entsprochen wird. Und nachmittags geht das Programm weiter und die Vorbereitung für den nächsten Tag muss erledigt werden.

hogastjob.com: Das klingt nach einem anstrengenden Job. Ist das alles überhaupt an einem Tag zu schaffen?

Andrea Ulbing: Ja, wenn man eine gute Vorbereitung hat. Wir haben meist ein 14 Tagesprogramm vorbereitet. Ich habe z.B. in der Zwischensaison in der Freizeit das Programm zusammengestellt. Man muss schon das Interesse haben, neue Spiele zu finden oder sich welche einfallen zu lassen – vor allem, wenn man viele Stammgäste hat und die Kinder immer wieder kommen.

hogastjob.com: Aber ist es nicht auch möglich, dass man einfach sagt: "Wenn die Kinder kommen, schaue ich mal was die machen wollen"?

Andrea Ulbing: Nein, auf keinen Fall. Wenn Kinderbetreuung angeboten wird, dann erwarten sich die Eltern auch, dass Programm mit den Kindern gemacht wird, das Abwechslung und Vielfältigkeit bringt. Und das braucht Vorbereitung. Wenn ich es schaffe die Kinder glücklich zu machen, dann haben die Eltern noch mehr von ihrem Urlaub. Wenn die Kinder nicht im Kinderklub oder der Betreuung bleiben, schränkt das die Eltern ein. Darüber hinaus hat auch jedes Kind Erwartungen an einen Kinderklub. Sie entscheiden innerhalb von 30 Sekunden, ob sie bleiben wollen oder nicht. Wobei je älter sie werden, desto eher bleiben sie.

hogastjob.com: Was können Sie jemandem raten, der in der Kinderbetreuung arbeiten will?

Andrea Ulbing: Zu allererst sollte man sich bewusst machen, dass es eben nicht nur ums Spielen mit den Kindern geht, sondern dass man auch Verantwortung hat. Dann sollte man sich auch klar machen, dass es in den Hotels keine normalen Öffnungszeiten gibt wie im Kindergarten. Dafür kann jemand seine Talente ausleben – sei es Singen, Malen, was auch immer. Ich würde empfehlen einmal für drei Tage in einem Hotel mitzuarbeiten, um zu sehen, ob es das ist, was man machen will. Ob man immer gut aufgelegt sein kann, immer freundlich und dabei authentisch ist.

hogastjob.com: Welche Ausbildung erwarten Sie von den BewerberInnen?

Andrea Ulbing: Es bewerben sich viele Kindergärtnerinnen bei uns. Wenn Sie flexibel genug sind, funktioniert das gut. Wobei wir kein pädagogisches Hintergrundwissen brauchen, da wir ja nicht erziehen. Es ist eher ein entwicklungs-psychologischer Hintergrund wichtig, damit man die Kinder versteht. Kinder kommunizieren auf allen Ebenen – aber vor allem über Körpersprache, damit muss ich umgehen können. Und dann ist es gut eine Ahnung über Beschwerdemanagement zu haben.

hogastjob.com: Wie kann jemand in der Kinderbetreuung beginnen?

Andrea Ulbing: Am Besten indem man einen Probetag arbeitet und sich Feedback geben lässt. Dann schnupperweise zu arbeiten zu beginnen und vorher genau abzuklären: Was werden die Aufgaben sein? Was wird im Speziellen von mir erwartet? Was soll ich ausarbeiten oder vorbereiten? Wer ist meine Ansprechpartnerin? So viel wie möglich fragen, bevor das Haus voll ist mit Kindern, denn dann ist keine Zeit mehr.

hogastjob.com: Wie war Ihr Weg in die Kinderbetreuung?

Andrea Ulbing: Ich habe als Kindergärtnerin begonnen, hab dann aber bald in die Animation gewechselt. Ich war zwei Jahre in der Schweiz als Animateurin und Schilehrerin in einem Hotel. Als ich 1989 zurück kam habe ich im ersten Babyhotel begonnen und dort einen Kinderklub für Kinder ab drei Jahren ausgebaut. Ich habe dann selbst einen Sohn bekommen und in der Karenz eine Ausbildung zum Coach gemacht und ein Schulungszentrum für Tagesmütter aufgebaut. Jetzt bin ich in den Kinderhotels für das Qualitätsmanagement der Kinderbetreuung zuständig. Sprich Fortbildung der Betreuerinnen, Ausstattung der Kinderklubs aber auch Recruiting und Coaching der Mitarbeiterinnen.

hogastjob.com: Sie sprechen in der weiblichen Form von den Mitarbeitern. Gibt es nur Mitarbeiterinnen in der Kinderbetreuung?

Andrea Ulbing: Ja, leider haben wir nur sehr wenige Männer in dem Bereich. Wir sind 100 Hotels mit ca. 250 Mitarbeitern in der Kinderbetreuung und davon sind, soweit ich weiß, nur sechs männlich.

hogastjob.com: Was ist für Sie das Schönste am Job der Kinderbetreuerin?

Andrea Ulbing: Die Kinder so zu begeistern, dass sie immer dabei sein wollen und gar nicht mehr aus dem Klub raus wollen. Mir hat einmal ein Paar gesagt, sie hätten Zeit für sich geschenkt bekommen und ihre Kinder waren total happy. Das sind die schönsten Momente.

hogastjob.com: Was ist das Schwierige an dem Job?

Andrea Ulbing: Ich muss jeden Tag gerne in den Job gehen – wenn das nicht der Fall ist muss ich aufhören. Das ist kein Job, den man 20 Jahre machen kann. Schwierig ist sicher auch, dass man wenig Freizeit hat. Vor allem wird meist zu Weihnachten und Silvester Kinderbetreuung gebraucht und in der Zeit hat man dann keinen freien Tag. Das bedeutet schon, dass man viel Privates aufgibt. Und in den Ferienzeiten ist bei uns natürlich am Meisten los. Aber für mich war es immer schlimmer, wenn wenig los war und sich der Tag zog.

hogastjob.com: Frau Ulbing, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.