Corona macht erfinderisch: Brennereien stellen um - Hogastjob

Können Destillerien Desinfektionsmittel herstellen?

Schnapsidee: Können Brennereien Desinfektionsmittel herstellen?

Harte Zeiten erfordern kreativen Input! Das Coronavirus hält die gesamte Wirtschaft, national genauso wie global, weiterhin in Atem und setzt Unternehmen und Gastronomiebetrieben immer weiter zu. Die Regierungen, in Österreich ebenso wie in Deutschland, kündigen jede Woche neue Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung von COVID-19 an. 

 

Und so werden sämtliche Unternehmer kreativ, um das Überleben und die Liquidität des eigenen Betriebs zu sichern. Branchen satteln um, stellen ihre herkömmliche Produktion ein und erzeugen stattdessen notwendige Schutzkleidung und Hygienegels.

 


Kreativ und hilfreich: Destillerien und ihr Input in Zeiten von Corona

Auch die Tourismusbranche hat sich dazu ihre Gedanken gemacht. Und die Betreiber der Brennereien und Destillerien des Landes und in den Nachbarländern sind auf den Zug der Neuorientierung aufgesprungen. Doch kann diese kurzfristige Umstellung überhaupt funktionieren? Ja, sie kann, wie sich zeigt! Einige Betriebe haben bereits umgesattelt und verkaufen nun beispielsweise Bio-Alkohol mit 96 Volumenprozent in Sprühflaschen.


Hochprozentiger, klarer Alkohol statt schmackhaftem Wachholderschnapses

Anstelle von Gin oder Wodka fließt jetzt reinster Bio-Alkohol durch die Edelstahlrohre der Destillerien und Brennereien. Die Vorgehensweise zur Erzeugung ist dabei zum größten Teil identisch. Der einzige Unterschied: Das Erzeugnis ist nicht zum Verzehr geeignet und kann nicht mit anderen Zutaten zu leckeren Cocktails und Mixgetränken verarbeitet werden. Das Desinfektionsmittel dient einzig und allein zum Schutz vor Viren, Bakterien und damit zum Desinfizieren der Hände und Oberflächen. Not macht erfinderisch, und genau diese Art der Kreativität wird in Zeiten, wie wir sie gerade erleben, benötigt.

 

 

Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäuser und Pflegeheime: Alle klagen über eine Ressourcenknappheit an Schutzmaterial und hochalkoholischen Lösungen zum Abtöten der Viren. So stellen schon seit geraumer Zeit der Luxuskonzern LVMH* aber auch eine Schweizer und eine niederösterreichische Schnapsbrennerei anstelle teurer Parfums und Schnaps-Produkte hochalkoholische Lösungen her.

 

*(der die Rechte an über 70 verschiedenen Marken hat).

 

Die Destillerien brennen in normalen Zeiten aus Obst, Getreide oder Kräutern Getränke mit 40 bis 50 Volumenprozent Alkohol. Das ist für den Verzehr gut, leider reicht dieser Gehalt aber nicht für eine wirksame Desinfektion aus. Der Alkoholanteil muss auf 70 Volumenprozent und mehr erhöht werden, was laut den Destillerie-Betreibern und Brennerei-Inhabern aber kein Problem darstelle.


Der Destillationsvorgang: So wird Schnaps zum Desinfektionsmittel

 

Das Umsatteln der Destillerien hat auch einen weiteren Vorteil: Viele Mitarbeiter müssen nicht in Kurzarbeit geschickt werden und können stattdessen ihrer Arbeit nachgehen. Zwar einer etwas anderen als der gewohnten – aber nach ein paar Probedurchläufen wurde schnell eine passende Rezeptur gefunden.

 

Der gravierendste Unterschied bei der Umstellung von Schnaps auf Desinfektionsmittel ist der erneute Destilliervorgang. Der 40- bis 45-prozentige Schnaps muss den gesamten Vorgang ein zweites Mal durchlaufen, um so auf 85 bis 90 Volumenprozent Alkohol zu kommen. Ergänzend wird Glycerin als Pflegemittel zugefügt. So trocknen die Hände nicht allzu sehr aus. Weiters wird Wasserstoffperoxid beigemischt, das zusätzlich desinfiziert.

 

 

Und nun wird sich so manch einer die Frage stellen: Kann ich das Desinfektionsmittel auch trinken? Die Antwort lautet klar: Nein! Denn erstens ist der erzeugte „Schnaps“ in diesem Fall ja steuerbefreit und darf somit nicht für den Verzehr zweckentfremdet werden. Damit dies sichergestellt werden kann, wird der Trinkalkohol zweitens mit Butanon, einem chemischen Lösungsmittel, denaturiert, dass übrigens hochgiftig ist!

 

Du siehst: Mit Kreativität und Spürsinn für das, was im Moment auf dem Markt gefragt ist, kann sich die gesamte Nation derzeit gegenseitig helfen.

 

Das Motto in diesem Fall lautet: Lippen weg vom neu erzeugten Desinfektionsmittel – stattdessen Finger damit besprühen und den Viren und Bakterien keine Chance geben!